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 Betreff des Beitrags: An einem Morgen im Wald
BeitragVerfasst: Mi 2. Jun 2010, 20:15 
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Registriert: Do 24. Sep 2009, 16:10
Beiträge: 64
[Dies ist kein Brief, sondern ein IT-Text. Ich fand nur keinen besseren Platz im Forum ...]

Dem Kalender nach war es Mitte Frühling, doch der Morgen war kalt und ein bitterer Wind bewegte die Zweige der Bäume, die erst seit wenigen Tagen Anzeichen von blassem, jungem Grün zeigten. Doch trotz der Kälte war der Wald erfüllt von Vogellauten, so als wollten die Gefiederten den Wechsel der Jahreszeiten allein mit der Kraft ihrer Stimmen herbei führen.
Die Lichtung war nicht groß, und sie war tief genug im Wald gelegen, um einen Großteil des schneidenden Windes abzuhalten. Die Kälte jedoch blieb, und im blassen Licht der Morgensonne konnte man den Atem der Anwesenden als Dampfwölkchen vor ihren Gesichtern sehen.

Erst waren es nur zwei, doch nach und nach kamen weitere hinzu. Vielleicht unbewusst nahmen die Neuankömmlinge Aufstellung in einer Reihe nebeneinander wie Soldaten beim Appell. Sie waren alt oder jung, männlich oder weiblich, hatten blondes, rotes, braunes oder schwarzes Haar. Nicht alle von ihnen waren Menschen.
Allen zueigen war, dass sie Rüstungen trugen, manche nur in Form von ledernen Schienen, andere Kettenhemd oder gar stählernen Harnisch. Auch trugen alle Waffen am Körper, seien es Bogen oder Speer, Axt oder Schwert.
Schließlich waren die Neuankömmlinge zu sechst, und einer der beiden, die auf der Lichtung gewartet hatten, löste sich aus dem halblaut geführten Gespräch mit seinem Begleiter und nahm Aufstellung vor ihrer Linie.
Es handelte sich um einen Mann in mittleren Jahren, dessen breitschultrige Gestalt von einem Kettenhemd geschützt wurde, über dem er einen einfach geschnittenen, in Rot und Weiß gehaltenen Kriegermantel trug. Eine schmale goldene Tresse bildete den Abschluss an Saum, Kragen und Ärmeln. Auf seinem Schild prangte ein Wappen, welches einen Kelch und gekreuzte Schwerter darstellte. An seinem Gürtel hingen ein Schlachtbeil und ein kurzes Schwert.

„Am heutigen Morgen“, begann er ohne Gruß, „trefft Ihr Entscheidungen, die Euer Sein von jetzt bis zum Ende aller Tage beeinflussen könnten.“
Seine Stimme war lauter, als es nötig gewesen wäre. Keiner seiner Zuhörer stand mehr als zehn Schritt von ihm entfernt, und doch rief er die Worte hinaus, als wolle er die ganze Welt, zumindest aber den gesamten Wald damit erreichen.
„Ein jeder von Euch ist hier, weil er vorgeschlagen wurde oder weil er den Ruf vernommen hat und es sein Wunsch ist, mehr über die Tivar Khar’assil zu erfahren.“
Er begann damit, mit langsamen Schritten vor der Linie auf und ab zu schreiten.
„Wer mir von diesem Ort folgt, so wie dieser junge Mann dort es vor einigen Tagen tat“, er deutete auf seinen Begleiter, einen Mann mit der Ausrüstung und Kleidung eines Kundschafters oder Waldläufers, „der wird geprüft werden. Geprüft werden darauf, ob er den nötigen Mut und die nötigen Unbeugsamkeit hat, ein Ewiges Schwert zu sein.“
Er legte eine Pause ein, ließ die Worte sacken, bevor er hörbar Atem holte, um fort zu fahren.
„Nur jener, der diese Prüfungen besteht, wird vor die Almahandra treten, um seinen Glauben zu beweisen.“
Noch einmal holte er hörbar Luft.
„Nur wen die Almahandra für würdig befindet, der wird die Gelegenheit bekommen, den Schwur zu leisten.“
Eine erneute Pause folgte, während sich Emotionen im Blick des Mannes zeigten, die nicht auf Anhieb zu deuten waren.
„Nur jener, dessen Willen stark genug ist, überlebt den Schwur. Und das ist nicht nur dahin gesagt. Ich rate Euch allen, diese Worte ernst zu nehmen. Der Schmerz ist unbeschreiblich, und man wünscht sich am Ende nichts mehr als zu sterben, nur um ihm zu entgehen. Nur wer an seinem Glauben festhält, der wird leben.“

Für ein komplettes Abschreiten der Linie schwieg er, während es in seinem Gesicht arbeitete.

„Wer den Schwur überlebt und sich erhebt, der ist einer von uns, ist unser Bruder oder unsere Schwester. Doch so weit seid Ihr noch lange nicht! Und die wenigsten werden es je sein.“

Nun blieb er stehen, in der Mitte der Reihe, wandte sich ihnen zu, suchte der Reihe nach mit seinem Blick den des anderen, hielt ihn fest, während er sprach.

„Bevor ich Euch aber auffordere, mir zu folgen auf dem Weg des Ordens, sollt Ihr erfahren, welche Bedingungen es gibt.“

Noch einmal hielt er inne, sammelte sich, sprach dann mit ruhiger Stimme, so als habe er diese Worte auswendig gelernt und sie seitdem oft gesprochen, so dass sie ganz wie von selbst zu ihm kamen.

„Eins: Ein Ewiges Schwert folgt den Elementen. Wer nicht in der Lage ist, Ihnen mit der Hingabe zu begegnen, die Göttern gebührt, der wird scheitern. Wer nur ein einziges nicht achtet, der wird keinen Erfolg haben.

Zwei: „Ewige Schwerter zum Willen der Kinder“. Das ist die vollständige Übersetzung des Namens Tivar Khar’assil in unsere Sprache.
Orphaliots Zorn über die Opferung eines unschuldigen Kindes hat uns geschaffen. Das Flehen der Almahandra an die Elemente, dieses Kind nicht der Verdammnis zu überlassen, machte uns vollständig. Das Kind selbst brachte uns die Almahandra vor wenigen Wochen zurück, damit der Orden wieder erstehen konnte.
Kinder sind es, die uns wahrhaft unterscheiden von den Wesen der zweiten Schöpfung. Denn sie können keine haben, können keine bekommen, können uns nur die unseren stehlen. Kinder zu haben ist das Geschenk der Elemente an uns, und indem wir die Kinder ehren, ehren wir auch die Elemente.

Drei: Wir richten die zweite Schöpfung. Wir verhandeln nicht, wir zögern nicht, wir verzeihen nicht. Wir richten, und unser Richtspruch ist endgültig.

Vier: All jene, die paktieren mit der zweiten Schöpfung oder diese gar vergöttern, werden unseren Richtspruch erfahren. Jener, der ehrlich bereut und seinen Fehler einsieht, mag überleben. Wer jedoch zum Feind der Elemente geworden ist, der wird vernichtet werden.

Fünf: Unser Schwur bindet uns an dieses Land. Niemand von uns wird es je wieder verlassen, es sei denn auf Befehl von Almahandra oder Almahandir. Wir sind ans Land gebunden, an die Elemente und den Orden bis ans Ende aller Zeit oder bis die zweite Schöpfung gerichtet ist, getilgt und nur noch Erinnerung.
Niemand von uns wird Ruhe finden, solange die zweite Schöpfung besteht. Solange wir leben, sind unsere Tage erfüllt mit Blut und Schweiß. Und sterben wir, dann fahren wir ein in die Hallen Orphalioths, um dort zu ruhen, bis uns unsere Aufgabe erneut ins Leben ruft oder unser Schwur erfüllt und die zweite Schöpfung vernichtet ist.

Sechs: Orphalioth dem Almahandir und der Almahandra folgen wir, Orphaliopths Söhnen und Jehavis Abendstern, und dem Beispiel, das sie waren und bis heute sind. Jehavis’ Erben sind es, die uns zusammen mit der Almahandra führen, bis einer der anderen erwacht.
Wir sind Brüder und Schwestern, doch wer nicht folgen kann, der wird scheitern.

Sieben: Die Ewigen Schwerter sind wieder entstanden aus einem Wunsch heraus, aus einer Notwendigkeit, die Seite der Elemente zu stärken. Wir können in unsere Reihen niemanden aufnehmen, dessen Platz ein anderer ist. Wir werden niemanden in unsere Reihen aufnehmen, dessen Fehlen an anderer Stelle ein Loch reißt, das die Elemente schwächt. Wer also schon Mitglied eines anderen Ordens ist oder gar Anführer von Frauen und Männern im Dienste der Elemente, dessen Platz ist nicht bei uns.“

Er öffnete die Augen wieder, die er beim Aufsagen der letzten beiden Punkte geschlossen hatte und blickte noch einmal von einem Gesicht zum anderen.

„Dies sind die Regeln und Bedingungen, jedenfalls die wichtigsten. Auf einige Dinge jedoch möchte ich noch hinweisen:

Für Hass und Misstrauen, die wir aus der alten Welt mitgebracht haben, ist kein Platz bei den Ewigen Schwertern. Für uns zählt nur der Glaube an die Elemente, nicht die Rasse oder Hautfarbe. Wer den Schwur geleistet hat und das Wappen trägt, der ist uns Bruder oder Schwester, ganz gleich ob er Mensch, Zwerg, Elb, Ork oder Drow ist.
Wer die Streiter der Elemente tötet, dem werden wir entgegen treten, ganz gleich, was seine Gründe sind. Wer alten Göttern folgt auf Wegen, die denen der Elemente entgegen stehen, dem werden wir entgegen treten.
Wer hierher kommt, um Ruhm oder Reichtum zu erlangen und nicht, um den Willen der Elemente zu erfüllen, der ist nutzlos für dieses Land und seine Götter. Durch Beispiel und Wort all diesen einen Weg zu bereiten zum Glauben an die Elemente ist uns Ehre und Pflicht. Auf dass ihre Seelen das Land stärken und nicht der zweiten Schöpfung anheim fallen.“

Ein feines Lächeln umspielte seine Lippen, als er hinter sich deutete.

„Ich werde nun diesen Ort verlassen und Euch die Gelegenheit geben, über meine Worte nachzudenken. All jene von Euch, die nach dem Gesagten Zweifel hegen und nicht vollends und ohne Einschränkungen willens sind, jede einzelne Bedingung zu erfüllen, bitte ich, diesen Ort zu verlassen. Niemand wird Euch dafür gering achten. Der Weg der Tivar Khar’assil ist ein harter und steiniger, und wir wissen, dass nur Wenige für ihn gemacht sind.
Es gibt viele Wege, den Elementen zu dienen, und keiner ist besser oder schlechter als der andere.

Jene, die noch hier sind, wenn ich zurück kehre, werde ich mit mir nehmen und prüfen.“

Er blickte noch einmal in die Gesichter, abwägend. Bei einigen war er sicher, dass sie gehen würden, ja im Moment keinen sehnlicheren Wunsch hatten als den, diesen Ort zu verlassen. Das waren jene, die mit dem Wort von der Neugründung des Ordens nur eine Möglichkeit zu eigener Größe und zu Ruhm, Macht oder Reichtum verbunden hatten. Bei den anderen war er nicht sicher.
Aber so war es immer.
Er drehte sich um und marschierte davon, hörte nicht hin, als sich hinter ihm zögerlich die Stimmen der Sechs erhoben, zu denen er gesprochen hatte. Erst nach einigen Minuten und tief in der Abgeschiedenheit des Waldes blieb er stehen, kniete nieder und betete still.

Nicht viel später raschelte es leise hinter ihm, und er erhob sich und drehte sich zu dem Mann um, der ihn zu der Lichtung begleitet hatte.

„Sie sind alle gegangen, nicht wahr?“ stellte er nach einem Blick in die Augen des Waldläufers fest. Schweigend nickte dieser mit ernstem Gesicht. Der Ordensbruder seufzte, wobei Kummer und Erleichterung sich die Waage hielten.
„Und Du? Bist Du noch immer entschlossen?“
Der Waldläufer lächelte schwach.
„Ich war nie entschlossener“, lautete seine Antwort.

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 Betreff des Beitrags: Re: An einem Morgen im Wald
BeitragVerfasst: Mo 24. Jan 2011, 15:12 
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Registriert: So 23. Jan 2011, 08:54
Beiträge: 114
cool geschrieben
grüsse Bardan

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Wir sind der Fluss der austrocknet, jedoch dann ueberlaueft und alles vernichtet.


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 Betreff des Beitrags: Re: An einem Morgen im Wald
BeitragVerfasst: Di 1. Feb 2011, 19:46 
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Registriert: Do 24. Sep 2009, 16:10
Beiträge: 64
danke schön

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